Bauarbeiter mit Sicherheitsgurten und Sicherheitsleinen

Zahlen - Daten - Fakten

Die Auswirkungen von Alkoholkonsum auf die Arbeitswelt – Hintergrundinformationen aus Forschung und Wissenschaft

Alkohol verursacht in Deutschland in allen Lebensbereichen weitaus größere Probleme als alle anderen Suchtmittel – auch in der Arbeitswelt. Hintergrund ist die hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Verbreitung von Alkoholkonsum und die außerordentlich leichte Verfügbarkeit dieses Suchtmittels. Erst im Falle von Missbrauch und Abhängigkeit wird Alkoholkonsum als soziales und gesundheitliches Problem wahrgenommen.

Die Ausmaße der Belastungen und Schäden in der Arbeitswelt sind nur schwer zu messen und bislang in Deutschland wenig erforscht. Nichtsdestotrotz zeigt die Sammlung von Daten, Zahlen und Fakten eine Vielfältigkeit und Schwere der Belastungen und Schäden auf, die nicht erst bei klinischen Alkoholfolgen auftreten, sondern bereits durch riskanten Konsum in der Arbeitswelt verursacht werden.

Es liegen kaum belastbare Daten über die Ausmaße des Konsums anderer Suchtmittel oder des Medikamentenmissbrauchs in der Arbeitswelt sowie in diesem Zusammenhang entstehende Schäden vor.

Unabhängig vom Ausmaß ist jedoch auch hier davon auszugehen, dass Risiken, Gefährdungen und Folgen für Betriebsablauf, -klima und die Produktivität ebenso vielfältig sind.

FAKTEN

  • 15,2 % (8 Mio.) haben einen riskanten Alkoholkonsum;
  • 3,1 % (1,61 Mio.) der Menschen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren weisen einen miss­bräuchlichen Alkoholkonsum auf. 3,4 % (1,77 Mio.) sind Alkoholabhängig;
  • Menschen, die regelmäßig mehr als 120 g (bei Män­nern) / 60 g (bei Frauen) Reinalkohol* pro Woche zu sich nehmen haben im Alter von 40 Jahren bereits eine um 1,5 Jahre geringere Lebenserwartung;
  • Frauen mit hohem sozioökonomischem Status trinken anteilig häufiger in riskantem Maß als Frauen aus mittleren oder niedrigen Statusgruppen. Bei Männern gibt es keine vergleichbaren Unterschiede im Trinkverhalten.

* Vgl.: Eine 0,3 l Flasche Bier, 4,8 Vol.­ %, entspricht 12,7 g Reinalkohol. Ein Glas Wein (100ml), 11,0 Vol.­ %, entspricht 8,8 g Reinalkohol.

Quelle

FT München: Epidemiologischer Suchtsurvey 2015
RKI: DEGS1 (2008-­2011)
Wood et al. (2018): Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual­participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies
Pabst et al. (2013): Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen in Deutschland im Jahr 2012.

Zu den wichtigsten Fragen hinsichtlich der Auswirkungen von Alkohol am Arbeitsplatz zählt, wie viele Arbeitnehmer von einer Alkoholproblematik betroffen sind und welche Einschränkungen sie und die Unternehmen dadurch erfahren. Neben dem Anteil von Abhängigkeitserkrankten und gefährdeten Personen zählen Daten über Fehlzeiten und Unfällen zu den Erkenntnissen über die Einschränkungen.

FAKTEN

  • etwa 5% der Arbeitnehmer sind Alkoholabhängig; bei Führungskräften bis zu 10%;
  • bis zu 10% der Arbeitnehmer sind problematisch Konsumierende;
  • problematisch Konsumierende fehlen 16mal häufiger;
  • roblematisch Konsumierende fehlen 2,5mal häufiger acht und mehr Tage;
  • problematisch Konsumierende erleiden 3,5mal häufiger Arbeitsunfälle;
  • problematisch Konsumierende nehmen 5mal häufiger Krankenversicherungsleistungen in Anspruch;
  • problematisch Konsumierende sind 3mal häufiger arbeitsunfähig gemeldet („Krankgeschrieben“);
  • bei problematisch Konsumierende tritt ein etwa 25%iger Verlust der Arbeitsleistung ein

Quelle

Stanford Research Institute (1975) Occupational Alcoholism Programs in U.S. Companies