1. Home
  2. Über diese Seite
  3. Sitemap
  4. Kontakt
  5. Bestellung von Materialien
  6. Impressum
  7. Literatur und Links

Drucken

Das Fürsorgegespräch

Das Fürsorgegespräch ist ein Mitarbeitergespräch, bei dem Auffälligkeiten am Arbeitsplatz thematisiert werden, die zu Störungen im Arbeitsablauf und -umfeld führen können. Ein Zusammenhang zwischen den Auffälligkeiten und Suchtmittelkonsum ist (noch) nicht erkennbar.

 



 

Anlass für ein Fürsorgegespräch

Anlass, ein Fürsorgegespräch zu führen, ist, dass eine Führungskraft persönliche, gesundheitliche oder soziale Probleme bei einem Mitarbeiter wahrgenommen hat. Ein Zusammenhang mit Suchtmittelkonsum ist (noch) nicht erkennbar. Bisher ist noch keine Pflichtverletzung eingetreten, diese wird aber als wahrscheinlich angesehen, wenn das Verhalten fortgesetzt wird. 

 

Ziel des Fürsorgegespräches

Das Ziel des Fürsorgegespräches ist, Beschäftigten zu signalisieren, dass sie Unterstützung vom Unternehmen und der Führungskraft erhalten. Wenn Probleme im persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Bereich sichtbar geworden sind, wird in diesem vertraulichen Gespräch eine Rückspiegelung der wahrgenommenen Auffälligkeiten vorgenommen und es werden sachgerechte Hilfeangebote gemacht.

Zur gesundheitsorientierten Personalführung gehört es, eine Verfestigung von Problemen vorzubeugen, indem Unterstützung seitens der Führungskraft angeboten wird. Das Fürsorgegespräch ist ein geeigneter Rahmen, um Sorge zum Ausdruck zu bringen und Hilfe anzubieten.

Es liegt in der Entscheidung des Betroffenen selbst, ob er die Gründe für etwaige Probleme darlegen möchte. Führungskräfte müssen im Fürsorgegespräch aber auch akzeptieren, wenn sich Mitarbeiter verschlossen halten und Hilfeangebote zurückweisen.

 

Gesprächsführung

Zu den grundsätzlichen Regeln der Gesprächsführung gehört es, ein gutes Gesprächsklima zu schaffen. Für Personalverantwortliche ist wichtig, erkennen zu lassen, dass sie sich um den Mitarbeiter Sorgen machen. Personalverantwortliche müssen dieses Gespräch lenken, d.h. auch, sich nicht auf Diskussionen einzulassen. Es geht darum, die Kontrolle über das Gespräch zu halten, die Ziele vor Augen zu haben und sich nicht auf Ablenkungen einzulassen. Eine weitere Grundregel für den Gesprächsführenden ist auch, in „Ich-Form“ zu sprechen und „Man“-Formulierungen zu vermeiden. Schuldzuweisungen und Vorwürfe sind in jedem Fall zu unterlassen.

Das Fürsorgegespräch ist vertraulich zu behandeln. Es hat keinen Disziplinarcharakter, schriftliche Aufzeichnungen sind nicht erforderlich.

 

Inhalte

In einem Fürsorgegespräch wird der betreffende Mitarbeiter von einem Personalverantwortlichen darauf angesprochen, dass Probleme aus dem persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Bereich sichtbar geworden sind. Die wahrgenommenen Veränderungen werden konkret benannt. Gleichzeitig wird abgeklärt, ob der betroffene Mitarbeiter eine Unterstützung wünscht.

Entsprechende Hinweise auf Unterstützung (z.B. auf betriebsinterne Beratungsangebote und externe Beratungsdienste) erfolgen durch den Personalverantwortlichen. Andererseits werden Betroffene auch eingeladen, selber Lösungsvorschläge zu entwickeln und darzustellen.

 

Vorbereitung

Der Personalverantwortliche sammelt die Auffälligkeiten, die Anlass zur Sorge geben und die angesprochen werden sollen. Hinzu kommt die Einstimmung auf die betroffene Person. Welche spezifischen Reaktionen auf die fürsorgliche Ansprache sind denkbar? Wie ist mit den zu erwartenden Emotionen oder der Gesprächsabwehr umzugehen? Das Fürsorgegespräch ist vor allem getragen von geäußerter Sorge, dem Zuhören und dem Angebot von Unterstützung.

 

Gesprächsleitfaden für das Fürsorgegespräch

Quelle: Wienemann, Elisabeth; Schumann, Günter (2011): Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Ein Leitfaden für die Praxis. S.124

 

Ablauf bei Vorfällen und auffälligem Verhalten

Quelle: Wienemann, Elisabeth; Schumann, Günter (2011): Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Ein Leitfaden für die Praxis.

 


Literaturempfehlungen

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2003)
Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden der Gesundheitsförderung
4. erweiterte und überarbeitete Auflage
Schwabenheim a. d. Selz, 2003

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (2015) 
Suchtprobleme am Arbeitsplatz: Eine Praxishilfe für Personalverantwortliche 
9., aktualisierte Auflage, Hamm, März 2015
Online Verfügbar: Link zum PDF

Fleck, Jürgen (2002)
Rechtliche Praxis bei Drogenkonsum von Arbeitnehmern
In: Cannabis, Straßenverkehr und Arbeitswelt. Recht-Medizin-Politik.
Berlin; Heidelberg, 2002

Graefe, Bernd (2000)
Juristische Rahmenbedingungen im Umgang mit Suchtproblemen in der Arbeitswelt
In: Stand und Perspektive betrieblicher Suchtprävention und Suchthilfe
Oldenburg, 2000

Schumann, Günter (2004)
Gesundheitsförderliches Führungsverhalten und lösungsorientierte Interventionen am Arbeitsplatz
Oldenburg, 2004

Wienemann, Elisabeth; Schumann, Günter (2011) 
Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Ein Leitfaden für die Praxis 
2., aktualisierte und ergänzte Auflage
Hamm 2011
Online Verfügbar: Link zum PDF