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Wiedereingliederung

Die Betriebliche Wiedereingliederung hat das Ziel, Betroffene bei ihrer Rückkehr in den Betrieb zu unterstützen. Für die Rückkehr nach einer Therapie gibt es verschiedene Verfahren der Wiedereingliederung. Bei den nebeneinander existierenden Verfahren handelt es sich teils um gesetzliche Vorschriften, teils um betriebsinterne Vereinbarungen.

 



 

Stufenweise Wiedereingliederung

Bei einer stufenweisen Wiedereingliederung nach § 74 SGB V handelt es sich um ein Verfahren, bei der betroffene Personen während oder nach einer Therapie ihre Tätigkeit teilweise wieder aufnehmen. Um an die Belastungen des Arbeitsplatzes schrittweise herangeführt zu werden, erstellt der behandelnde Arzt oder die Klinik einen Plan, der eine stufenweise Wiedereingliederung vorsieht. Krankenkasse, Arbeitgeber und die betroffene Person selbst müssen diesem Plan zustimmen.

In dieser Zeit ist der Betroffene weiterhin arbeitsunfähig und die Krankengeldzahlung wird noch fortgesetzt. Bei der Wiedereingliederung von Abhängigkeitskranken sind im Betrieb die Personen einzubinden, die den Prozess fachlich begleiten und zu einer erfolgreichen Eingliederung beitragen können, z.B. Vorgesetzte, Suchtbeauftragte, Schwerbehindertenvertretung, Betriebsrat und Betriebsarzt. Sowohl Arbeitgeber als auch der in den Betrieb Zurückkehrende müssen dieser Form der Wiedereingliederung zustimmen.

 

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Für Mitarbeiter/innen, die aufgrund von Krankheit und sich daraus ergebenden Folgen über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig sind, müssen Unternehmen ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) einrichten. Dies ist per § 84 SGB IX gesetzlich geregelt.

Die Vorschrift kommt zur Anwendung, wenn Beschäftigte innerhalb eines Kalenderjahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Diese Regelung findet auch bei Suchterkrankungen und deren Behandlung in verschiedener Form Anwendung.

Ziel der Eingliederung ist der Erhalt des Arbeitsplatzes. Der Arbeitgeber soll mit dem Beschäftigten abklären, wie eine Arbeitsunfähigkeit überwunden und wie einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt werden kann. Zuständige Vertretungen wie Betriebsrat oder Schwerbehindertenvertretung sind hinzuzuziehen, ebenso die örtlichen gemeinsamen Servicestellen, falls Leistungen zur Teilhabe oder begleitende Hilfen im Arbeitsleben in Betracht kommen.

Das Angebot eines Betrieblichen Eingliederungsmanagement ist für den Arbeitgeber verbindlich, die rückkehrende Person kann das Angebot aber ablehnen, ohne dass daraus Nachteile entstehen dürfen. Erfolgt jedoch eine krankheitsbedingte Kündigung, so kann eine Nichtteilnahme an einem Eingliederungsmanagement negativ ausgelegt werden. 

 

Betrieblich vereinbarte Wiedereingliederung

Durch die gesetzlichen Vorschriften werden Fragen zu Überschneidungen mit anderen Gesprächen aufgeworfen, z.B. Fehlzeitengesprächen, Krankenrückkehrgesprächen und Stufenplänen.

Es empfiehlt sich, in einer entsprechenden Betriebs-/ bzw. Dienstvereinbarung die spezifische Wiedereingliederung von substanzbedingt auffällig gewordenen Mitarbeitern innerbetriebliche Vereinbarungen festzuschreiben. Dadurch wird das Verfahren für Beschäftigte und Arbeitgeber verbindlich gemacht und die Handlungssicherheit von Führungskräften im Unternehmen gestärkt.

Bei der betrieblich vereinbarten Wiedereingliederung handelt es sich um feste Absprachen im Betrieb, die eine Rückkehr an den Arbeitsplatz regeln. Absprachen über Fragen zur Rückfallvorbeugung und Reintegration ins Team werden schriftlich in einer Betriebs- bzw. Dienstvereinbarung festgehalten. Die innerbetrieblichen Vereinbarungen ersetzen die gesetzlichen Vorschriften nicht.

Ausführliche Informationen über Betriebs-/ bzw. Dienstvereinbarungen und darin enthaltenen Regelungen zu zur Wiedereingliederung finden Sie in den Abschnitten:
Betriebs-/Dienstvereinbarungen und
Regelungsbereiche von Betriebs-/Dienstvereinbarungen

 

Vorbeugung erneuter Auffälligkeiten

Maßnahmen zur Vorbeugung erneuter Auffälligkeiten sind Bestandteil der Verfahren zur Wiedereingliederung. Ziel ist, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und somit auch den Arbeitsplatz der betroffenen Person. Informationen zum Umgang mit weiteren Auffälligkeiten nach einer Therapie finden Sie im Seitenbereich Intervention unter
Erneute Auffälligkeit nach Therapie

 


Literaturempfehlungen

Rehwald, Rainer; Reineke, Gabi; Wienemann, Elisabeth; Zinke, Eva (2012)
Betriebliche Suchtprävention und Suchthilfe. Handbuch der IG Metall
2. Auflage
Frankfurt am Main, 2012

Wienemann, Elisabeth; Schumann, Günter (2011) 
Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Ein Leitfaden für die Praxis 
2., aktualisierte und ergänzte Auflage
Hamm 2011
Online Verfügbar: Link zum PDF