1. Home
  2. Über diese Seite
  3. Sitemap
  4. Kontakt
  5. Bestellung von Materialien
  6. Impressum
  7. Literatur und Links

Drucken

Behandlung und Rehabilitation

In Deutschland gibt es ein umfassendes System der ambulanten und stationären Suchtbehandlung und -rehabilitation. Auffälligkeiten im Betrieb führen zu Beratungsangeboten und Empfehlungen zur Aufnahme einer Therapie in einer Behandlungseinrichtung.

 



 

Behandlungsphasen

Eine Abhängigkeitserkrankung ist in aller Regel nur mit professioneller Hilfe zu überwinden. Der Kontakt zum professionellen Suchthilfesystem ist für Betriebe deshalb wichtig. Sollen im Rahmen der betrieblichen Suchtprävention Empfehlungen zur Aufnahme einer Therapie ausgesprochen werden, ist es hilfreich, wenn die zuständigen Personen Kontakt zu Beratungs- und Behandlungseinrichtungen in der Nähe pflegen.

Allgemein wird die Behandlung einer Abhängigkeitserkrankung in vier Phasen eingeteilt:

  • Kontakt- und Motivationsphase,
  • Entzugsphase,
  • Entwöhnungsphase und 
  • Nachsorgephase. 

Beratungsgespräche, die Erlangung und Festigung der Motivation zur Annahme medizinischer, psychischer und sozialer Dienste gehören zur Kontaktphase. Ihr kommt im Kontext der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe eine besondere Rolle zu. Im Rahmen von Interventionen bei Auffälligkeiten wird eine Kontaktaufnahme zum Suchthilfesystem empfohlen. Es werden auch Vorschläge für die Aufnahme einer Therapie in einer Behandlungseinrichtung gemacht. Im Rahmen von Stufenplänen können eine Weigerung der Kontaktaufnahme und wiederholte Auffälligkeiten auch zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen. Ein drohender Arbeitsplatzverlust kann für Personen mit einer Abhängigkeitserkrankung letztendlich ausschlaggebend sein.

In der Entzugsphase wird unter medizinischer Betreuung eine Entgiftung durchgeführt. Im „qualifizierten Entzug“ kommen verschiedene therapeutische Ansätze in einem Team von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Berufsgruppen, wie Ärzten, Psychotherapeuten und Sozialarbeitern, zum Einsatz. Dabei muss die Behandlung jeweils individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Diese Phase dauert in der Regel zwischen zwei und sechs Wochen.

Während der Entwöhnungsphase soll die durch die Entgiftung erreichte Abstinenz stabilisiert und die Abhängigkeit langfristig überwunden werden. Entwöhnungsbehandlungen können ambulant, teilstationär oder stationär durchgeführt werden. Eine stationäre Entwöhnung dauert in der Regel 12 bis 16 Wochen. Kurzzeittherapien dauern in der Regel 3 bis 6 Wochen, je nach medizinischer Notwendigkeit im Einzelfall. Jedoch können ambulante Therapien in Beratungs- und Behandlungszentren in der Regel auch 5 bis 18 Monate dauern.

Durch Betreuung in der Nachsorge, z.B. in ambulant betreuten Wohngruppen werden ehemals Süchtige wieder an eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Integration in Arbeit herangeführt und finden Unterstützung für ihr Ziel, abstinent zu bleiben. Selbsthilfegruppen haben in der Nachsorge ebenfalls eine große Bedeutung. Hier treffen sich z.B. „trockene“ Alkoholkranke, um sich mit Personen in gleicher Lage auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Mit Rehabilitation werden Therapien und Maßnahmen bezeichnet, die in der Entwöhnungsphase und in der Nachsorgephase durchgeführt werden. Die Wiedereingliederung – auch in das Arbeitsleben – spielt während der Entwöhnung und der Nachsorge eine wichtige Rolle.
Lesen Sie hier mehr zur Wiedereingliederung


Behandlungssettings

In Deutschland gibt es zahlreiche und verschiedene therapeutische Angebote, mit deren Hilfe Menschen eine Sucht überwinden können. Es gibt ambulante Dienste, stationäre (psychiatrische) Einrichtungen und Kliniken, niedrigschwellige Einrichtungen zur Erleichterung des Kontaktes zum Hilfesystem, Selbsthilfegruppen und Wohngruppen der Nachsorge für Menschen, die ihre Sucht bereits überwunden haben und Unterstützung auf dem Weg zurück in die Gesellschaft in Anspruch nehmen wollen. Neben ambulanter und stationärer Behandlung gibt es auch Mischformen, wie teilstationäre Behandlung und Kombi-Therapien.

Merkmale der ambulanten Behandlung sind, dass der Betroffene weiterhin in seinem sozialen Umfeld wohnen bleiben kann. Dadurch können Kontakte zu Freunden und Angehörigen auch therapeutisch genutzt werden. Die Alltagsbedingungen des Betroffenen können in der Therapie mit einbezogen werden, dazu gehört die Nähe zu beruflichem Umfeld und Arbeitsplatz. Im ambulanten Setting wird die Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung während der therapeutischen Behandlung gewährleistet, zu der auch eine Fortführung beruflicher Tätigkeit gehören kann. Ambulante Nachsorge kann an eine ambulante Therapie anschließen.

Um eine stationäre Behandlung durchzuführen, begibt sich der Betroffene in eine entsprechende Einrichtung, z.B. in eine Fachklinik oder Fachabteilung eines Krankenhauses. Die Entzugsbehandlung wird bei Abhängigkeitskranken in der Regel stationär durchgeführt. Auch die Entwöhnung kann in einem stationären Setting erfolgen, wenn ein intensiveres Maß an Betreuung notwendig ist, eine Eigenständigkeit fraglich oder das soziale Umfeld ein mögliches Risiko für Rückfälle birgt.

Bei einer Kombi-Therapie wird die Behandlung zunächst stationär durchgeführt, ab einem geeigneten Zeitpunkt aber ambulant weitergeführt. Sie kommt vor allem in Betracht, wenn eine Kurzzeittherapie im stationären Setting eine geeignete Maßnahme darstellt. Dadurch können Betroffene schneller wieder in ihr soziales Umfeld zurückkehren. Ein intaktes soziales und berufliches Umfeld kann zudem in eine anschließende ambulante Behandlung eingebunden werden.

 

Einrichtungssuche

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen bietet auf ihrer Homepage eine Einrichtungssuche an. Die Einrichtungsdatenbank enthält - stets aktuell - alle wichtigen Informationen zu den bundesweit über 1800 ambulanten Suchtberatungsstellen und 800 stationären Suchthilfeeinrichtungen.

Über eine Online-Suchfunktion haben Sie die Möglichkeit, Hilfsangebote in Ihrer Nähe mit detaillierten Informationen zu den Einrichtungen zu finden. Bei der Suche nach Beratungsstellen und Behandlungseinrichtungen, die für eine Kooperation mit Betrieben in Frage kommen, kann die Einrichtungssuche eine große Hilfe sind.
 Hier gelangen Sie zur Einrichtungssuche bei der DHS

 


Literaturempfehlungen

Gerkens, Klaus; Müller, Regina; Wimmer, Dirk (2010)
Handbuch Sucht. Prävention und Behandlung. Rechtsgrundlagen und Rechtsprechung
Band II
Sankt Augustin, 2010

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (2013)
Jahrbuch Sucht 2013
Hamm, 2013